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Harztraveler

Harzer Sage · Brocken

Kobolz, das Licht vom Hexenaltar

Eine Art Licht, das unter dem Hexenaltar hervorkommt.

Teil 1

Die Sage, wie sie überliefert ist

Nach Heinrich Pröhle, Unterharzische Sagen, Nr. 315 (1856)

Oben auf dem Brocken liegen am Rand der Kuppe zwei Felsgruppen aus Granit, dicht beieinander: der Hexenaltar und die Teufelskanzel. Ihre Namen sind seit dem 18. Jahrhundert belegt.

Die Sage vom Hexenaltar hat der Sagensammler Heinrich Pröhle 1856 aufgeschrieben, und sie ist nur zwei Sätze lang. Beim Hexenaltar, auf dem sich auch das Hexenwaschbecken befindet, sieht man am 1. Mai Besen, Katzen und Hunde und die Erwachsenen, die mit Fackeln tanzen. Unter dem Hexenaltar soll ein unterirdischer Gang sein, und zuweilen kommt darunter eine Art Licht hervor, das Kobolz genannt wird.

Mehr erzählt die Sage nicht. Sie sagt nicht, wie das Licht aussieht, und nicht, was es will. Alles andere über Kobolz ist ausgedacht, auch in unseren Geschichten.

Teil 2

Unsere Kurzgeschichte

Frei erzählt von HarzTraveler nach der Sage

In der Nacht vor dem ersten Mai stand Kobolz auf einem schmalen Steinweg am Moor unter dem Brocken. Er war ein kleines Licht in Tropfenform, außen goldgelb und innen türkis, und sonst konnte er keinen Atemzug lang stillhalten. Nebeltropfen zischten auf seiner Spitze, und die Kälte kroch ihm in den runden Boden. Draußen im Moor stand Hannes, ein Junge aus dem Dorf, und das kalte Wasser hielt seine Stiefel fest. Vor ihm tanzte das Irrlicht, silbern und wunderschön, und rief mit der Stimme von Kobolz: „Folgt mir!“ Dabei wünschte sich Kobolz nichts so sehr, als dass ihm ein Mensch einmal glaubte.

Da hörte er auf zu rufen und hörte auf zu hüpfen. Er hielt still, obwohl seine Spitze kribbelte, und zum ersten Mal in seinem Leben flackerte er nicht. Ruhig und hell leuchtete er, bis Hannes rings um ihn die nassen Steine des Weges sah.

Das Irrlicht versuchte, auch stillzuhalten. Es zitterte, zuckte und wirbelte doch wieder herum.

„Du zappelst“, sagte Hannes. „So zappeln Irrlichter.“

Er ließ die Stiefel im Moor stecken und stieg auf Strümpfen von Grasbuckel zu Grasbuckel, bis er auf dem Weg stand. Vor Wut drehte sich das Irrlicht, bis ihm schwindlig wurde, und plumpste in sein eigenes Wasserloch.

Am ersten Mai tanzte Kobolz mit den Leuten aus dem Dorf um den Hexenaltar, und keiner rannte davon. Den Hexenaltar seht ihr oben auf dem Brocken vom Rundweg aus, aber hingehen darf man nicht, denn im Nationalpark bleiben alle auf dem Weg.

Teil 3

Unsere Langgeschichte zum Anhören

Frei erzählt von HarzTraveler nach der Sage

  1. Erstes Kapitel: Purzelbäume unter dem Hexenaltar.
  2. Am Abend vor dem ersten Mai schlug Kobolz Purzelbäume, tief unter dem Hexenaltar auf dem Brocken. Dort führte ein enger Gang in den Berg, und sein Licht rollte über die Wände.
  3. Von der Decke tropfte Wasser, und wo ein Tropfen Kobolz traf, zischte es und kitzelte. Es roch nach nassem Stein und kalter Erde.
  4. Kobolz war ein Licht, geformt wie ein Tropfen, außen goldgelb und innen türkis. Er hatte große Augen, ein breites Grinsen, zwei kurze Arme und statt Beinen einen runden Boden, auf dem er dauernd hüpfte.
  5. Stillhalten konnte er keinen einzigen Atemzug lang.
  6. „Hopp!“, rief Kobolz. Mitten im Purzelbaum übte er seinen Satz, so schnell, dass die Wörter selbst Purzelbäume schlugen: „Folgt mir, diesmal wirklich richtig herum!“ Dann landete er auf der Spitze. Das war falsch herum.
  7. Nur folgte ihm nie jemand. Wer nachts ein hüpfendes Licht sah, schrie „Ein Irrlicht!“ und rannte davon, denn Irrlichter lockten Wanderer ins Moor.
  8. Jedes Jahr am ersten Mai, wenn die Hexen heimflogen, tanzten die Leute aus dem Dorf mit Fackeln um den Hexenaltar. Kobolz sah durch einen Spalt zu.
  9. „Einmal“, flüsterte er, „einmal tanze ich mit, und keiner rennt davon.“
  10. Als die Sonne unterging, hüpfte Kobolz unter dem Hexenaltar hervor. Der Hexenaltar lag am Rand der Brockenkuppe, ein flacher Haufen riesiger Granitblöcke, rund wie aufgestapelte Säcke voller Wolle.
  11. Aus den Tälern stieg kalter Nebel, und in den Spalten lag noch alter Schnee.
  12. Oben in einer Mulde lag ein runder grauer Stein und schnarchte. Das war Tatze, die Brockenkatze, groß, dick und granitgrau. Die Mulde hieß Hexenwaschbecken, aber gewaschen hatte sich darin noch keine Katze.
  13. „Funzel“, sagte Tatze, ohne die Augen zu öffnen, und sie sprach so langsam, als müsste sich jedes Wort erst räkeln. „Wer so zappelt, sieht aus wie ein Irrlicht. Halt doch mal still.“
  14. Probiert es mit Kobolz. Lasst die Finger über dem Kopf flackern, schneller und schneller. Und jetzt haltet sie ganz still.
  15. Kobolz schaffte genau einen Atemzug, dann purzelte er schon wieder.
  16. „Ein Licht, das stillhält, heißt Laterne“, sagte Tatze gähnend. „Laternen haben die Menschen gern.“ Ihre Pfote zuckte nach seiner Spitze, ganz von allein.
  17. Da kam aus dem Nebel ein Ton, hell und singend, als führe jemand mit nassem Finger um den Rand eines Glases. Dazu roch es nach Moor. Tatze sprang auf, und ihr Fell stand in alle Richtungen.
  18. Dann stieg das Irrlicht über den Rand der Kuppe, weiß und silbern und doppelt so groß wie Kobolz. Hinter ihm wehte ein glitzernder Schleier, und es drehte sich wie eine Tänzerin. Kobolz vergaß vor Staunen zu hüpfen.
  19. „Guten Abend, kleiner Kobolz“, sang das Irrlicht. Es sang jeden Satz, so hell und freundlich, dass man ihm sofort hinterherlaufen wollte.
  20. „Heute Nacht kommen die Leute mit Fackeln herauf, und im Nebel bleibt immer einer zurück. Den nehme ich mir, Herzchen. Und du bleibst schön in deinem Loch.“
  21. „Nein!“, rief Kobolz. „Wer sich verirrt, den bringe ich heim!“
  22. Das Irrlicht lachte, dass es hell über die Steine klirrte.
  23. „Wer mir folgt“, sang es kalt, „steht bis zum Morgen im Moor, bis zu den Knien im schwarzen Wasser. Das Moor hält ihm die Stiefel fest. Und morgen sagt er im Dorf: Das war das Licht vom Hexenaltar.“
  24. Es kam ganz nah. „Dann“, sang es lieblich, „rollen sie einen großen Stein vor dein Loch. Und du siehst nie wieder einen Menschen.“ Lautlos sank es zurück ins Moor.
  25. Kobolz war türkis geworden, von der Spitze bis zum Boden. Wenn er heute Nacht im Gang blieb, rollte vielleicht keiner einen Stein. Aber dann stand einer bis zum Morgen im Moor.
  26. „Wenn einer ruft, gehe ich“, sagte er leise.
  27. „Natürlich“, murmelte Tatze. „Weck mich, wenn du berühmt bist.“
  28. Als es dunkel und kalt war, zogen die Leute aus dem Dorf mit Fackeln singend herauf. Doch der Nebel wurde dichter und schluckte die Fackeln, eine nach der anderen.
  29. Nur ganz unten, wo ein Weg zum Moor abbog, blieb eine kleine Fackel zurück. „Wartet!“, rief eine Kinderstimme, dünn und weit weg. „Wo seid ihr?“
  30. Und aus dem Moor stieg ein weißes Licht und tanzte auf die kleine Fackel zu.
  31. Zweites Kapitel: Zwei Lichter im Nebel.
  32. In der Nacht war der Nebel so dicht, dass Kobolz kaum zwei Hüpfer weit sah. Er hüpfte den schmalen Weg am Moor hinunter, von Stein zu Stein. Neben dem Weg gluckste das Moor.
  33. Es roch nach Torf, und die Kälte biss ihm in die Spitze. Dicht hinter ihm tappte Tatze, ganz nah an seinem warmen Licht, und ihr Fell dampfte.
  34. „Ich komme nur wegen der Wärme“, sagte Tatze. „Nicht wegen dir.“
  35. Mitten auf dem Weg stand ein Junge von acht Jahren, eine graue Wollmütze schief über einem Ohr. Das war Hannes, und heute durfte er zum ersten Mal beim Fackeltanz dabei sein.
  36. Seine kleine Fackel zischte im Nebel und brannte nur noch eine Handbreit lang.
  37. Vor Freude schlug Kobolz drei Purzelbäume auf einmal und kullerte Hannes vor die Füße. „Keine Angst!“, sprudelte er. „Ich bin kein Irrlicht, ich bin Kobolz vom Hexenaltar!“
  38. Hannes sprang zurück. „Das würde ein Irrlicht auch sagen“, sagte er, und seine Stimme wurde dünn.
  39. „Stimmt“, sagte Tatze.
  40. Da wurde der Nebel hell, und silbern und glitzernd schwebte das Irrlicht heran. „Hab keine Angst, Herzchen“, sang es. „Ich bin ein Stern und bringe dich zu den Fackeln.“
  41. „Ehrlich?“, fragte Hannes.
  42. „Ehrlich“, sang das Irrlicht, dann sang es leise und lieblich: „Aber der Kleine da ist das Irrlicht. Sieh nur, wie er zappelt. So zappeln Irrlichter.“
  43. „Gar nicht wahr!“, rief Kobolz und hüpfte vor Empörung noch höher. Das eine Licht schwebte, das andere zappelte, und Hannes trat einen Schritt auf das schöne zu.
  44. Kobolz wurde so türkis, dass der Nebel um ihn schimmerte. Reden half nichts, das Irrlicht redete schöner, und Hüpfen machte alles schlimmer. Da sah er auf die nassen Steine des Weges und hatte einen Einfall.
  45. Schon schwebte das Irrlicht voraus, aber neben dem Weg, ins Dunkle. „Hier entlang, Herzchen“, sang es. Hannes folgte ihm einen Schritt, und sein Stiefel sank schmatzend ins eiskalte Moos.
  46. „Folgt mir, diesmal wirklich richtig herum!“, rief Kobolz und schlug Purzelbäume, auf den ersten Stein des Weges, auf den zweiten, auf den dritten.
  47. Jeder Stein leuchtete golden auf, bis ein Band aus hellen, nassen Steinen im Nebel lag, und daneben glänzte nur schwarzes Wasser.
  48. Hannes zog den Stiefel heraus und trat zurück auf die Steine.
  49. „Du folgst mir!“, rief Kobolz glücklich.
  50. „Nein“, sagte Hannes. „Ich folge den Steinen.“
  51. Das Irrlicht zischte böse, doch es blieb in der Nähe.
  52. Den Weg hinauf rollte Kobolz vor Hannes her, Stein für Stein. Aber jeder Purzelbaum kostete ihn Licht, und bald war er nur noch halb so hell, und die Fackel war nur noch einen Finger lang.
  53. „Vielleicht bist du wirklich kein Irrlicht“, sagte Hannes leise. „Ich heiße Hannes.“ Kobolz strahlte, so gut es noch ging.
  54. Unten im Moor war das Irrlicht allein. Es hatte jedes Wort gehört. Es betrachtete sich in einem Moorauge, einem kalten, schwarzen Wasserloch, und sang: „Wie schön ich bin.“
  55. Dann übte es Stimmen, erst wie die Leute aus dem Dorf: „Hannes! Hier sind wir!“ Und dann genau wie Kobolz: „Folgt mir, diesmal wirklich richtig herum!“
  56. Weiter oben am Weg blieb Hannes plötzlich stehen, denn aus dem Moor riefen Stimmen wie die Leute aus dem Dorf: „Hannes! Hier sind wir!“
  57. „Vater!“, rief Hannes und rannte los, vom Weg herunter, mitten ins Moor.
  58. „Nicht!“, schrie Kobolz. „Das sind nicht deine Leute!“
  59. Hannes hörte nicht, und Kobolz flackerte vor Angst. Doch er hüpfte bis an den Rand des Weges und keinen Hüpfer weiter, denn ein Licht über dem Moor lockte jeden nur tiefer hinein. Von dort rief er nach ihm.
  60. Da tanzte das Irrlicht genau vor Tatzes Nase vorbei. Tatzes Pfote zuckte, und schon sprang sie dem Glitzern nach, mitten in ein Moorauge.
  61. Heraus kletterte Tatze, schwarz vor Schlamm und sehr beleidigt. Von der Fackel war nur noch ein Stummel übrig. Das dauerte dem Irrlicht zu lange. Es schoss so dicht an der Fackel vorbei, dass die Flamme im Luftzug ausging.
  62. Dann war es dunkel. Im Nebel leuchteten nur noch zwei Lichter, ein großes, weißes und ein kleines, blasses. „Kobolz!“, rief Hannes mit dünner Stimme. „Wo bist du?“
  63. Aus dem Moor antwortete eine Stimme, die genau nach Kobolz klang: „Hier bin ich! Folgt mir, diesmal wirklich richtig herum!“
  64. Und Hannes stapfte darauf zu, tiefer ins Moor hinein.
  65. Drittes Kapitel: Richtig herum.
  66. Kurz nach Mitternacht lag das Moor schwarz und still im Nebel. Kobolz stand am Rand des Weges und war nur noch ein blasses Flämmchen.
  67. Die Kälte kroch ihm in den runden Boden, und neben ihm saß Tatze und tropfte. Draußen im Moor stand Hannes auf einem Grasbuckel, das kalte Wasser über den Knöcheln, und das Moor hielt seine Stiefel gefangen.
  68. „Hannes, hier bin ich!“, rief Kobolz.
  69. „Hannes, hier bin ich!“, rief das Irrlicht mit genau derselben Stimme.
  70. Hannes hielt sich die Ohren zu. „Hört auf!“, schrie er. „Ich weiß nicht mehr, wer wer ist!“
  71. „Lass es, Funzel“, sagte Tatze leise, und diesmal klang sie gar nicht spöttisch. „Bei jedem Ruf wirst du kleiner. Im Dunkeln glaubt jeder dem Hellsten.“
  72. Kobolz sah es vor sich: Hannes bis zum Morgen im kalten Moor, zitternd. Und die Leute aus dem Dorf, wie sie einen großen Stein vor sein Loch rollten.
  73. Das Irrlicht hörte auf zu singen. Keiner sagte etwas. Nur das Moor gluckste.
  74. Heller leuchten konnte Kobolz nicht, und das Irrlicht klang genau wie er. Aber stillhalten konnte das Irrlicht nicht. Kobolz konnte es auch nicht. Doch er dachte an Tatzes Worte: Ein Licht, das stillhält, heißt Laterne.
  75. Er hörte auf zu rufen und hörte auf zu hüpfen. Er stellte sich mitten auf den Weg, drückte die Arme an den Bauch und hielt still.
  76. Helft ihm! Haltet mit Kobolz ganz still, keine Hand, kein Fuß, nicht einmal die Nasenspitze, bis ich weitererzähle.
  77. Kobolz hielt still. Seine Spitze kribbelte, als liefe eine Ameise darüber, und sein runder Boden wollte federn. Kobolz hielt still.
  78. Und dann hörte sein Licht auf zu flackern, zum ersten Mal in seinem Leben. Die ganze Kraft, die sonst ins Hüpfen und Rufen ging, ging jetzt ins Leuchten.
  79. Er wurde ruhig und hell, und sein Licht reichte durch den ganzen Nebel bis zu Hannes hinüber.
  80. Jetzt sah Hannes die Steine, grau und nass, einer hinter dem anderen. Das war der Weg zu den Fackeln.
  81. Das Irrlicht sah, wohin Hannes schaute, und versuchte auch stillzuhalten. Es zitterte, sein Schleier zuckte, und nach drei Atemzügen wirbelte es doch wieder herum.
  82. „Jetzt komm endlich!“, schrie es, gar nicht mehr lieblich, sondern so schrill, dass es in den Ohren klirrte.
  83. „Du hast gesagt, Irrlichter zappeln“, sagte Hannes langsam. „Und du zappelst.“
  84. Hannes zog die Füße aus den Stiefeln, ließ sie im Moor stecken und stieg auf Strümpfen von Grasbuckel zu Grasbuckel, auf das stille Licht zu.
  85. Das Irrlicht schoss hinter ihm her, und sein Schleier schnappte nach dem Ärmel von Hannes. Der Schleier erwischte nur Nebel.
  86. Dann spürte Hannes kalten Stein unter den Strümpfen. Er stand auf dem Weg, und neben ihm leuchtete Kobolz, ganz still, und grinste.
  87. „Seht mich an!“, kreischte das Irrlicht und drehte sich, schneller und schneller. „Ich bin das schönste Licht im Harz!“ Aber keiner sah hin.
  88. Es drehte sich noch schneller, bis ihm schwindlig wurde, und kippte mitten in sein eigenes Moorauge.
  89. Unter dem schwarzen Wasser glomm es nur noch, wie ein Stück Mond in einer Pfütze, und blubberte vor Wut. Nun steckte es selbst im Moor, bis zum Morgen. Erst jetzt schlug Kobolz einen Purzelbaum, höher als je zuvor.
  90. „Ich bin dir gar nicht gefolgt“, sagte Hannes.
  91. „Nein“, sagte Kobolz und strahlte. „Ich bin stehen geblieben, und du bist zum Weg gekommen. Diesmal wirklich richtig herum.“
  92. Tatze setzte sich ganz dicht an Kobolz, und ihr nasses Fell dampfte. „Kein Wort über mein Bad“, sagte sie. „Zu niemandem.“
  93. Oben am Hexenaltar suchten die Leute mit Fackeln und Hunden nach Hannes. Sein Vater hob ihn hoch über alle Fackeln.
  94. Doch als die Leute Kobolz sahen, wichen sie zurück, und Hannes rief: „Das ist Kobolz! Er hat mir den Weg gezeigt, ehrlich!“
  95. Als der Himmel grau wurde, tanzten die Großen mit Fackeln um den Hexenaltar, wie jedes Jahr am ersten Mai. Die Hunde bellten, auf den Steinen saßen Katzen, und über dem Nebel sausten die Hexen auf Besen heim.
  96. Mitten im Kreis schlug ein kleines Licht Purzelbäume, richtig herum und falsch herum, und keiner rannte davon.
  97. Den Hexenaltar gibt es wirklich, oben auf dem Brocken gleich neben der Teufelskanzel. Bei Tafel fünf am Brocken-Rundweg könnt ihr ihn sehen.
  98. Hingehen darf dort niemand, denn im Nationalpark bleiben alle auf den Wegen, auch im Nebel und wenn ein Licht noch so schön tanzt. Hinauf kommt ihr zu Fuß oder mit der Brockenbahn ab Wernigerode.
  99. Und wenn einer der runden grauen Steine am Hexenaltar schnarcht, weckt ihn nicht. Das ist Tatze.

Wo ihr das heute seht

Hexenaltar und Teufelskanzel liegen am Rand der Brockenkuppe im Nationalpark Harz, direkt am Brocken-Rundweg bei Tafel 5. Hingehen oder hinaufklettern darf man nicht, denn im Nationalpark gilt das Wegegebot. Vom Brocken-Rundweg aus sieht man sie gut.

Auf der Harzkarte zeigen etwa 11 km von Bad Harzburg